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"Verlieren verboten" für den TC Alfeld

Mit zwei Neuzugängen starten die Herren vom TC Alfeld am Sonntag in eine kurze Nordliga-Saison

Von David Paasche

Alfeld. Am Sonntag wird es für die Alfelder Tennis-Asse ernst: Um 11 Uhr startet das Team von Trainer und Manager Sebastian Wöhler gegen den TSC Halstenbeck in die Nordliga-Saison. Die AZ hat im Vorfeld mit dem TCA-Coach über den Tennissport in der Coronazeit, die etwas andere Spielvorbereitung, die Erwartungen zum Saisonauftakt sowie den Status Quo im Alfelder Tennis gesprochen.

AZ: Herr Wöhler, die ganze Sportwelt ist Mitte März gefühlt in eine Tiefschlafphase abgedriftet. Wie haben Sie und Ihre Spieler diese Zeit erlebt und wie sah das Training aus?
Wöhler:  Das war natürlich enorm schwierig. Zum einen konnten wir viele Wochen gar nicht auf die Plätze – da blieb uns nichts anderes übrig, als individuell primär im konditionellen und Kraft-Bereich zu arbeiten. Zum anderen hatten wir das Problem, dass einige unserer Spieler Stipendiaten in den USA sind – da war es aufgrund der verschärften Reisebedingungen sogar schwierig, die Jungs zurück nach Deutschland zu bekommen. Sie mussten unter anderem über New York reisen und haben von einer gespenstischen Stille und Leere berichtet.
Als wir dann wieder auf den Platz durften, haben wir zu zweit trainiert – jeweils im engen Austausch miteinander.

Alfelder Spieler in guter Form

AZ: Seit der Turnierbetrieb vor einigen Wochen wieder gestartet ist, haben Ihre Spieler etliche Erfolge gefeiert – und sogar top-gesetzte Spieler geschlagen und gut dotierte Turniere für sich entschieden. Kann man also sagen, dass das Alfelder Tennis einen weiteren Schritt nach vorn gemacht hat?
Wöhler: Das ist mit einem Wort zu beantworten: Ja! Die Erfolge wären sicherlich noch deutlich größer ausgefallen, wenn aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Absage der internationalen Turniere nicht derartig viele Profis mit bei den kleineren Turnieren aufgeschlagen hätten. Aber allein die Tatsache, dass wir auch solche Spieler inzwischen schlagen können, zeigt, dass bei uns eine Menge in die richtige Richtung läuft.


AZ: Ist es denn realistisch, dass einer Ihrer Spieler kurz- oder mittelfristig den Sprung ins Profi-Tennis schafft?
Wöhler:  Das ist total schwierig zu sagen, weil zurzeit nicht ersichtlich ist, wie sich das Profi-Tennis nach der Pandemie darstellt. Viele Spieler jenseits der ‚Top 100‘ haben ihre finanziellen Reserven aufgebraucht, Fördermaßnahmen sind erschöpft – wir müssen erst mal abwarten, wie sich die Tour in  Zukunft zusammensetzt. Unsere Jungs sind allesamt so vernünftig, ihr Abitur respektive ihr Studium abzuschließen – auch wenn sie natürlich eine Menge Potenzial haben und auf den Profi-Bereich schielen.

Schlechtes Gefühl bei gutem Abschlusstraining

AZ: Nun steht der Saisonauftakt bevor: Viele Menschen fragen sich mit Sicherheit, wie das Coaching im Tennis  aussieht. Wie arbeiten Sie im Training?
Wöhler: Grundsätzlich sind wir möglichst viel beieinander. Ich bin regelmäßig bei den Turnieren mit dabei. Wenn Spieler in anderen Teilen Deutschlands oder im Ausland unterwegs sind, dann telefonieren wir – außerdem begutachte ich die aktuellen Leistungen oftmals mittels Video-Studium. Wenn wir – so wie zurzeit – relativ häufig zusammen sind, arbeiten wir im Training an verschiedenen technischen, aber auch taktischen und mentalen Schwerpunkten.


AZ: Und wie sieht die konkrete Spielvorbereitung auf ein Punktspiel wie gegen Halstenbeck aus?
Wöhler: Das ist kein Hexenwerk (lacht). Wir setzen immer freitags – also zwei Tage vor dem Spieltag – ein Abschlusstraining an. Dann geht es darum, viele Punkte zu spielen, Einzelgespräche zu führen und möglichst die richtige Mischung aus Lockerheit und Spannung zu finden. Jeder Spieler hat da seine eigenen Abläufe. Ich erinnere mich gut, dass ich als Spieler immer ein schlechtes Gefühl hatte, wenn das Abschlusstraining gut lief, weil ich dann meist schlecht gespielt habe (lacht).

Ziel: Eigene Stärken durchdrücken

AZ: Und im Spiel selbst? Wieviel Einfluss nehmen Sie da als Trainer – zum Beispiel im Vergleich zum Handball oder Fußball?
Wöhler: Da ich die meisten Gegner kenne, gebe ich den Jungs schon einige Basisinformationen mit. Ziel ist immer, die eigenen Stärken durchzudrücken. Du möchtest als Spieler immer bestimmen, was passiert – nicht der Gegner. Ich gebe aber nicht komplett vor, wie gespielt wird – die Informationen können aber in Ausnahmefällen auch schon mal sehr spezifisch werden. Etwa, wenn ich weiß, dass ein gegnerischer Spieler einen zweiten Aufschlag hat, der extrem wegspringt. Dann simulieren wir so etwas auch mal.


AZ: Und damit sind Ihre Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, erschöpft?

Wöhler: Nein, natürlich nicht. Die mentale Komponente – also den Spielern zuzureden, sie zu stützen – ist enorm wichtig. Außerdem gilt es für mich als Trainer, die Spieler so aufzustellen (Anm. d. Red.: Im Tennis spielen die Spieler an verschiedenen Positionen, woraus sich der jeweilige Gegner ergibt), dass die Wahrscheinlichkeit, nach Möglichkeit eines der insgesamt sechs Einzel- und drei Doppelduelle mehr als der Gegner zu gewinnen, maximiert wird.

Alfeld im Einzel und Doppel stark

AZ: Interessant. Also sind die Punkte im Einzel und Doppel gleich viel wert? Und wie sieht Ihre Prognose für das Spiel am Sonntag aus. Bereitet Halstenbeck Ihnen Bauchschmerzen?
Wöhler: Ja, genau. Einzel- und Doppelspiele sind gleichwertig. Wenn ich mir unsere Aufstellung und den zu erwartenden Kader des Gegners anschaue, sehe ich uns in keinem Einzelduell hinten. Und Doppel – das ist über Landesgrenzen bekannt – spielt ohnehin niemand gern gegen uns (lacht).


AZ: Wie kommt das?
Wöhler: Wir sind eine über Jahre gewachsene Mannschaft, die vor allem das Miteinander auszeichnet. Wir helfen einander und verstehen uns wirklich als Team. Für den TCA anzutreten, ist für jeden Spieler eine Herzensangelegenheit – es geht nicht um monetäre Dinge. Die Jungs verbringen auch abseits des Platzes viel Zeit miteinander, trainieren zusammen und verstehen sich daher super.

Zwei Neuzugänge mischen Sonntag mit

AZ: Okay, das klingt vielversprechend. Mit einem Blick auf die Aufstellung für Sonntag ist augenscheinlich, dass mit Robin Möller und Lenn Lümpkemann zwei neue Gesichter dabei sind. Wie kommt das?
Wöhler: Beide sind einfach an der Reihe. Lenn ist extrem jung, hat aber über Wochen und Monate toll trainiert und überzeugend gespielt. Robin, der zudem als Landestrainer an der Tennisbase arbeitet, ist ein absoluter Fachmann, der das Spiel versteht wie nur wenige Andere. Er ist vor der Saison zu uns gewechselt, da er sich mal wieder auf sein eigenes Spiel fokussieren und noch einmal Vollgas geben wollte. Die Eindrücke im Training waren überragend – ich bin gespannt, wie er das im Spiel umsetzt.


AZ: Da spürt man die Vorfreude. Dann hoffen wir mal, dass die Spieler genauso motiviert wie Sie in die Partie gehen. Vielen Dank für die interessanten Einblicke und viel Erfolg am Sonntag!

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"Verlieren verboten" für den TC Alfeld

Mit zwei Neuzugängen starten die Herren vom TC Alfeld am Sonntag in eine kurze Nordliga-Saison

Von David Paasche

Alfeld. Am Sonntag wird es für die Alfelder Tennis-Asse ernst: Um 11 Uhr startet das Team von Trainer und Manager Sebastian Wöhler gegen den TSC Halstenbeck in die Nordliga-Saison. Die AZ hat im Vorfeld mit dem TCA-Coach über den Tennissport in der Coronazeit, die etwas andere Spielvorbereitung, die Erwartungen zum Saisonauftakt sowie den Status Quo im Alfelder Tennis gesprochen.

AZ: Herr Wöhler, die ganze Sportwelt ist Mitte März gefühlt in eine Tiefschlafphase abgedriftet. Wie haben Sie und Ihre Spieler diese Zeit erlebt und wie sah das Training aus?
Wöhler:  Das war natürlich enorm schwierig. Zum einen konnten wir viele Wochen gar nicht auf die Plätze – da blieb uns nichts anderes übrig, als individuell primär im konditionellen und Kraft-Bereich zu arbeiten. Zum anderen hatten wir das Problem, dass einige unserer Spieler Stipendiaten in den USA sind – da war es aufgrund der verschärften Reisebedingungen sogar schwierig, die Jungs zurück nach Deutschland zu bekommen. Sie mussten unter anderem über New York reisen und haben von einer gespenstischen Stille und Leere berichtet.
Als wir dann wieder auf den Platz durften, haben wir zu zweit trainiert – jeweils im engen Austausch miteinander.

Alfelder Spieler in guter Form

AZ: Seit der Turnierbetrieb vor einigen Wochen wieder gestartet ist, haben Ihre Spieler etliche Erfolge gefeiert – und sogar top-gesetzte Spieler geschlagen und gut dotierte Turniere für sich entschieden. Kann man also sagen, dass das Alfelder Tennis einen weiteren Schritt nach vorn gemacht hat?
Wöhler: Das ist mit einem Wort zu beantworten: Ja! Die Erfolge wären sicherlich noch deutlich größer ausgefallen, wenn aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Absage der internationalen Turniere nicht derartig viele Profis mit bei den kleineren Turnieren aufgeschlagen hätten. Aber allein die Tatsache, dass wir auch solche Spieler inzwischen schlagen können, zeigt, dass bei uns eine Menge in die richtige Richtung läuft.


AZ: Ist es denn realistisch, dass einer Ihrer Spieler kurz- oder mittelfristig den Sprung ins Profi-Tennis schafft?
Wöhler:  Das ist total schwierig zu sagen, weil zurzeit nicht ersichtlich ist, wie sich das Profi-Tennis nach der Pandemie darstellt. Viele Spieler jenseits der ‚Top 100‘ haben ihre finanziellen Reserven aufgebraucht, Fördermaßnahmen sind erschöpft – wir müssen erst mal abwarten, wie sich die Tour in  Zukunft zusammensetzt. Unsere Jungs sind allesamt so vernünftig, ihr Abitur respektive ihr Studium abzuschließen – auch wenn sie natürlich eine Menge Potenzial haben und auf den Profi-Bereich schielen.

Schlechtes Gefühl bei gutem Abschlusstraining

AZ: Nun steht der Saisonauftakt bevor: Viele Menschen fragen sich mit Sicherheit, wie das Coaching im Tennis  aussieht. Wie arbeiten Sie im Training?
Wöhler: Grundsätzlich sind wir möglichst viel beieinander. Ich bin regelmäßig bei den Turnieren mit dabei. Wenn Spieler in anderen Teilen Deutschlands oder im Ausland unterwegs sind, dann telefonieren wir – außerdem begutachte ich die aktuellen Leistungen oftmals mittels Video-Studium. Wenn wir – so wie zurzeit – relativ häufig zusammen sind, arbeiten wir im Training an verschiedenen technischen, aber auch taktischen und mentalen Schwerpunkten.


AZ: Und wie sieht die konkrete Spielvorbereitung auf ein Punktspiel wie gegen Halstenbeck aus?
Wöhler: Das ist kein Hexenwerk (lacht). Wir setzen immer freitags – also zwei Tage vor dem Spieltag – ein Abschlusstraining an. Dann geht es darum, viele Punkte zu spielen, Einzelgespräche zu führen und möglichst die richtige Mischung aus Lockerheit und Spannung zu finden. Jeder Spieler hat da seine eigenen Abläufe. Ich erinnere mich gut, dass ich als Spieler immer ein schlechtes Gefühl hatte, wenn das Abschlusstraining gut lief, weil ich dann meist schlecht gespielt habe (lacht).

Ziel: Eigene Stärken durchdrücken

AZ: Und im Spiel selbst? Wieviel Einfluss nehmen Sie da als Trainer – zum Beispiel im Vergleich zum Handball oder Fußball?
Wöhler: Da ich die meisten Gegner kenne, gebe ich den Jungs schon einige Basisinformationen mit. Ziel ist immer, die eigenen Stärken durchzudrücken. Du möchtest als Spieler immer bestimmen, was passiert – nicht der Gegner. Ich gebe aber nicht komplett vor, wie gespielt wird – die Informationen können aber in Ausnahmefällen auch schon mal sehr spezifisch werden. Etwa, wenn ich weiß, dass ein gegnerischer Spieler einen zweiten Aufschlag hat, der extrem wegspringt. Dann simulieren wir so etwas auch mal.


AZ: Und damit sind Ihre Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, erschöpft?

Wöhler: Nein, natürlich nicht. Die mentale Komponente – also den Spielern zuzureden, sie zu stützen – ist enorm wichtig. Außerdem gilt es für mich als Trainer, die Spieler so aufzustellen (Anm. d. Red.: Im Tennis spielen die Spieler an verschiedenen Positionen, woraus sich der jeweilige Gegner ergibt), dass die Wahrscheinlichkeit, nach Möglichkeit eines der insgesamt sechs Einzel- und drei Doppelduelle mehr als der Gegner zu gewinnen, maximiert wird.

Alfeld im Einzel und Doppel stark

AZ: Interessant. Also sind die Punkte im Einzel und Doppel gleich viel wert? Und wie sieht Ihre Prognose für das Spiel am Sonntag aus. Bereitet Halstenbeck Ihnen Bauchschmerzen?
Wöhler: Ja, genau. Einzel- und Doppelspiele sind gleichwertig. Wenn ich mir unsere Aufstellung und den zu erwartenden Kader des Gegners anschaue, sehe ich uns in keinem Einzelduell hinten. Und Doppel – das ist über Landesgrenzen bekannt – spielt ohnehin niemand gern gegen uns (lacht).


AZ: Wie kommt das?
Wöhler: Wir sind eine über Jahre gewachsene Mannschaft, die vor allem das Miteinander auszeichnet. Wir helfen einander und verstehen uns wirklich als Team. Für den TCA anzutreten, ist für jeden Spieler eine Herzensangelegenheit – es geht nicht um monetäre Dinge. Die Jungs verbringen auch abseits des Platzes viel Zeit miteinander, trainieren zusammen und verstehen sich daher super.

Zwei Neuzugänge mischen Sonntag mit

AZ: Okay, das klingt vielversprechend. Mit einem Blick auf die Aufstellung für Sonntag ist augenscheinlich, dass mit Robin Möller und Lenn Lümpkemann zwei neue Gesichter dabei sind. Wie kommt das?
Wöhler: Beide sind einfach an der Reihe. Lenn ist extrem jung, hat aber über Wochen und Monate toll trainiert und überzeugend gespielt. Robin, der zudem als Landestrainer an der Tennisbase arbeitet, ist ein absoluter Fachmann, der das Spiel versteht wie nur wenige Andere. Er ist vor der Saison zu uns gewechselt, da er sich mal wieder auf sein eigenes Spiel fokussieren und noch einmal Vollgas geben wollte. Die Eindrücke im Training waren überragend – ich bin gespannt, wie er das im Spiel umsetzt.


AZ: Da spürt man die Vorfreude. Dann hoffen wir mal, dass die Spieler genauso motiviert wie Sie in die Partie gehen. Vielen Dank für die interessanten Einblicke und viel Erfolg am Sonntag!

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Mit zwei Neuzugängen starten die Herren vom TC Alfeld am Sonntag in eine kurze Nordliga-Saison

Von David Paasche

Alfeld. Am Sonntag wird es für die Alfelder Tennis-Asse ernst: Um 11 Uhr startet das Team von Trainer und Manager Sebastian Wöhler gegen den TSC Halstenbeck in die Nordliga-Saison. Die AZ hat im Vorfeld mit dem TCA-Coach über den Tennissport in der Coronazeit, die etwas andere Spielvorbereitung, die Erwartungen zum Saisonauftakt sowie den Status Quo im Alfelder Tennis gesprochen.

AZ: Herr Wöhler, die ganze Sportwelt ist Mitte März gefühlt in eine Tiefschlafphase abgedriftet. Wie haben Sie und Ihre Spieler diese Zeit erlebt und wie sah das Training aus?
Wöhler:  Das war natürlich enorm schwierig. Zum einen konnten wir viele Wochen gar nicht auf die Plätze – da blieb uns nichts anderes übrig, als individuell primär im konditionellen und Kraft-Bereich zu arbeiten. Zum anderen hatten wir das Problem, dass einige unserer Spieler Stipendiaten in den USA sind – da war es aufgrund der verschärften Reisebedingungen sogar schwierig, die Jungs zurück nach Deutschland zu bekommen. Sie mussten unter anderem über New York reisen und haben von einer gespenstischen Stille und Leere berichtet.
Als wir dann wieder auf den Platz durften, haben wir zu zweit trainiert – jeweils im engen Austausch miteinander.

Alfelder Spieler in guter Form

AZ: Seit der Turnierbetrieb vor einigen Wochen wieder gestartet ist, haben Ihre Spieler etliche Erfolge gefeiert – und sogar top-gesetzte Spieler geschlagen und gut dotierte Turniere für sich entschieden. Kann man also sagen, dass das Alfelder Tennis einen weiteren Schritt nach vorn gemacht hat?
Wöhler: Das ist mit einem Wort zu beantworten: Ja! Die Erfolge wären sicherlich noch deutlich größer ausgefallen, wenn aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Absage der internationalen Turniere nicht derartig viele Profis mit bei den kleineren Turnieren aufgeschlagen hätten. Aber allein die Tatsache, dass wir auch solche Spieler inzwischen schlagen können, zeigt, dass bei uns eine Menge in die richtige Richtung läuft.


AZ: Ist es denn realistisch, dass einer Ihrer Spieler kurz- oder mittelfristig den Sprung ins Profi-Tennis schafft?
Wöhler:  Das ist total schwierig zu sagen, weil zurzeit nicht ersichtlich ist, wie sich das Profi-Tennis nach der Pandemie darstellt. Viele Spieler jenseits der ‚Top 100‘ haben ihre finanziellen Reserven aufgebraucht, Fördermaßnahmen sind erschöpft – wir müssen erst mal abwarten, wie sich die Tour in  Zukunft zusammensetzt. Unsere Jungs sind allesamt so vernünftig, ihr Abitur respektive ihr Studium abzuschließen – auch wenn sie natürlich eine Menge Potenzial haben und auf den Profi-Bereich schielen.

Schlechtes Gefühl bei gutem Abschlusstraining

AZ: Nun steht der Saisonauftakt bevor: Viele Menschen fragen sich mit Sicherheit, wie das Coaching im Tennis  aussieht. Wie arbeiten Sie im Training?
Wöhler: Grundsätzlich sind wir möglichst viel beieinander. Ich bin regelmäßig bei den Turnieren mit dabei. Wenn Spieler in anderen Teilen Deutschlands oder im Ausland unterwegs sind, dann telefonieren wir – außerdem begutachte ich die aktuellen Leistungen oftmals mittels Video-Studium. Wenn wir – so wie zurzeit – relativ häufig zusammen sind, arbeiten wir im Training an verschiedenen technischen, aber auch taktischen und mentalen Schwerpunkten.


AZ: Und wie sieht die konkrete Spielvorbereitung auf ein Punktspiel wie gegen Halstenbeck aus?
Wöhler: Das ist kein Hexenwerk (lacht). Wir setzen immer freitags – also zwei Tage vor dem Spieltag – ein Abschlusstraining an. Dann geht es darum, viele Punkte zu spielen, Einzelgespräche zu führen und möglichst die richtige Mischung aus Lockerheit und Spannung zu finden. Jeder Spieler hat da seine eigenen Abläufe. Ich erinnere mich gut, dass ich als Spieler immer ein schlechtes Gefühl hatte, wenn das Abschlusstraining gut lief, weil ich dann meist schlecht gespielt habe (lacht).

Ziel: Eigene Stärken durchdrücken

AZ: Und im Spiel selbst? Wieviel Einfluss nehmen Sie da als Trainer – zum Beispiel im Vergleich zum Handball oder Fußball?
Wöhler: Da ich die meisten Gegner kenne, gebe ich den Jungs schon einige Basisinformationen mit. Ziel ist immer, die eigenen Stärken durchzudrücken. Du möchtest als Spieler immer bestimmen, was passiert – nicht der Gegner. Ich gebe aber nicht komplett vor, wie gespielt wird – die Informationen können aber in Ausnahmefällen auch schon mal sehr spezifisch werden. Etwa, wenn ich weiß, dass ein gegnerischer Spieler einen zweiten Aufschlag hat, der extrem wegspringt. Dann simulieren wir so etwas auch mal.


AZ: Und damit sind Ihre Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, erschöpft?

Wöhler: Nein, natürlich nicht. Die mentale Komponente – also den Spielern zuzureden, sie zu stützen – ist enorm wichtig. Außerdem gilt es für mich als Trainer, die Spieler so aufzustellen (Anm. d. Red.: Im Tennis spielen die Spieler an verschiedenen Positionen, woraus sich der jeweilige Gegner ergibt), dass die Wahrscheinlichkeit, nach Möglichkeit eines der insgesamt sechs Einzel- und drei Doppelduelle mehr als der Gegner zu gewinnen, maximiert wird.

Alfeld im Einzel und Doppel stark

AZ: Interessant. Also sind die Punkte im Einzel und Doppel gleich viel wert? Und wie sieht Ihre Prognose für das Spiel am Sonntag aus. Bereitet Halstenbeck Ihnen Bauchschmerzen?
Wöhler: Ja, genau. Einzel- und Doppelspiele sind gleichwertig. Wenn ich mir unsere Aufstellung und den zu erwartenden Kader des Gegners anschaue, sehe ich uns in keinem Einzelduell hinten. Und Doppel – das ist über Landesgrenzen bekannt – spielt ohnehin niemand gern gegen uns (lacht).


AZ: Wie kommt das?
Wöhler: Wir sind eine über Jahre gewachsene Mannschaft, die vor allem das Miteinander auszeichnet. Wir helfen einander und verstehen uns wirklich als Team. Für den TCA anzutreten, ist für jeden Spieler eine Herzensangelegenheit – es geht nicht um monetäre Dinge. Die Jungs verbringen auch abseits des Platzes viel Zeit miteinander, trainieren zusammen und verstehen sich daher super.

Zwei Neuzugänge mischen Sonntag mit

AZ: Okay, das klingt vielversprechend. Mit einem Blick auf die Aufstellung für Sonntag ist augenscheinlich, dass mit Robin Möller und Lenn Lümpkemann zwei neue Gesichter dabei sind. Wie kommt das?
Wöhler: Beide sind einfach an der Reihe. Lenn ist extrem jung, hat aber über Wochen und Monate toll trainiert und überzeugend gespielt. Robin, der zudem als Landestrainer an der Tennisbase arbeitet, ist ein absoluter Fachmann, der das Spiel versteht wie nur wenige Andere. Er ist vor der Saison zu uns gewechselt, da er sich mal wieder auf sein eigenes Spiel fokussieren und noch einmal Vollgas geben wollte. Die Eindrücke im Training waren überragend – ich bin gespannt, wie er das im Spiel umsetzt.


AZ: Da spürt man die Vorfreude. Dann hoffen wir mal, dass die Spieler genauso motiviert wie Sie in die Partie gehen. Vielen Dank für die interessanten Einblicke und viel Erfolg am Sonntag!

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