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Technik-Experten gesucht: Wer kennt den Hellschreiber?

Zwitter aus Fax und Fernschreiber ermöglichte der AZ ab den 30er-Jahren den Zugang zu nicht-lokalen Neuigkeiten

Von Marco Althaus

Alfeld. Die AZ sucht Leser, die sich mit einem Hellschreiber auskennen oder sogar ein solches Gerät besitzen. Beim Stöbern in der eigenen Geschichte fanden wir diese Fotos von 1934 und 1952. Für die AZ sicherte dieses Gerät einst den Zugang zu nicht-lokalen Neuigkeiten von Agenturen und Korrespondentennetzen. Die AZ produzierte ihren eigenen überregionalen Nachrichtenteil, bis sie 1953 gemeinsam mit anderen Verlagen die „Redaktionsgemeinschaft deutscher Heimatzeitungen“ (RdH) gründete.

Ein Hellschreiber ist ein Pressefunkgerät, also ein Fernschreiber, der Rundfunktechnik nutzt. Offiziell hieß er Typenbildfernschreiber. 1927 patentiert, kam er um 1933 auf den Markt. Er war eine Alternative zu den verbreiteten Fernschreibermodellen für Springschreiber (C. Lorenz/Morkrum) und Telex (Siemens), die das Telefonnetz der Reichspost nutzten. Weil er deren hohe Telefongebühren vermied, war die Nutzung des Hellschreibers für Provinzzeitungen wie die AZ erschwinglicher.

Der Hellschreiber ist das Kind von TV-Pionier Rudolf Hell ("die ganze Konzeption entstand in einer halben Stunde, alles in der Nacht"). Das Gerät war eine Art Zwitter aus Fax und Fernschreiber. Es digitalisierte einen auf einer Tastatur getippten Text zur Bitmap, versandte Pixel per Funk-Einzelimpuls und gab am Ziel den Text auf Papierstreifen aus.

Hells Kasten war das Gegenteil der mit Getrieberädchen, Relais und Kuppelstangen vollgestopften Springschreiber. Simple Elektronik machte ihn billig. Zudem war der als Bild digitalisierte Text für den damals enorm störanfälligen Funkbetrieb optimal. Selbst wenn es in der Atmosphäre knisterte, blieb der Text lesbar.

Daran war Fernschreibfunk bisher stets gescheitert. Der Kniff: Der Hellschreiber wandelte Signale immer gleich doppelt in gedruckte Buchstaben, sie erschienen stets in zwei identischen Zeilen übereinander auf dem Streifen.

Weltweit wurde der "Presse-Hell" zum Liebling der Nachrichtenagenturen. Er sparte im Vergleich zum Pressesprechfunk, der in den 1920er Jahren das stenografische Abtippen von vorgelesenen Nachrichten erforderte, die halbe Arbeitszeit. Er vermied teure Mietdrähte und erreichte über große Distanzen ausfallssicher viele Kunden in Redaktionen und Pressestellen. Das System überzeugte rund um die Welt bis in die 1980er Jahre.

Um 1934 muss der Hellschreiber in der AZ brandneu gewesen sein. Die gerade gegründete staatstreue Presseagentur Deutsches Nachrichtenbüro (DNB) setzte diese Technik bei ihren Zeitungskunden durch. Das DNB hatte in Nazi-Deutschland das Monopol als Nachrichtenagentur. Sie lieferte die „Tagesparolen“ von der Berliner Reichspressekonferenz und war eng verbunden mit den 45 Filialen des NS-Propagandaministeriums, die die Lokalpresse überwachten.

Nach dem Krieg ging im Herbst 1949 die Deutsche Presseagentur (dpa) an den Start, und sie verbreitete ihre Meldungen auch per Hellschreiber. Einer ihrer ersten Hellschreiber-Kunden war die AZ, die nach langer Pause im Herbst 1949 wieder erscheinen durfte. Das Foto aus der AZ-Redaktion von 1952 sieht fast genauso aus wie das von 1934.

Gern würden wir von Funkamateuren oder Technikliebhaber über den praktischen Umgang mit dem Hellschreiber mehr wissen. Vielleicht haben Sie auch Fotos oder eine Geschichte aus dem Leinebergland dazu. Wenn Sie einen Experten kennen, rufen Sie uns an unter 05181 800230 oder senden Sie uns eine E-Mail an redaktion@alfelder-zeitung.de.

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Technik-Experten gesucht: Wer kennt den Hellschreiber?

Zwitter aus Fax und Fernschreiber ermöglichte der AZ ab den 30er-Jahren den Zugang zu nicht-lokalen Neuigkeiten

Von Marco Althaus

Alfeld. Die AZ sucht Leser, die sich mit einem Hellschreiber auskennen oder sogar ein solches Gerät besitzen. Beim Stöbern in der eigenen Geschichte fanden wir diese Fotos von 1934 und 1952. Für die AZ sicherte dieses Gerät einst den Zugang zu nicht-lokalen Neuigkeiten von Agenturen und Korrespondentennetzen. Die AZ produzierte ihren eigenen überregionalen Nachrichtenteil, bis sie 1953 gemeinsam mit anderen Verlagen die „Redaktionsgemeinschaft deutscher Heimatzeitungen“ (RdH) gründete.

Ein Hellschreiber ist ein Pressefunkgerät, also ein Fernschreiber, der Rundfunktechnik nutzt. Offiziell hieß er Typenbildfernschreiber. 1927 patentiert, kam er um 1933 auf den Markt. Er war eine Alternative zu den verbreiteten Fernschreibermodellen für Springschreiber (C. Lorenz/Morkrum) und Telex (Siemens), die das Telefonnetz der Reichspost nutzten. Weil er deren hohe Telefongebühren vermied, war die Nutzung des Hellschreibers für Provinzzeitungen wie die AZ erschwinglicher.

Der Hellschreiber ist das Kind von TV-Pionier Rudolf Hell ("die ganze Konzeption entstand in einer halben Stunde, alles in der Nacht"). Das Gerät war eine Art Zwitter aus Fax und Fernschreiber. Es digitalisierte einen auf einer Tastatur getippten Text zur Bitmap, versandte Pixel per Funk-Einzelimpuls und gab am Ziel den Text auf Papierstreifen aus.

Hells Kasten war das Gegenteil der mit Getrieberädchen, Relais und Kuppelstangen vollgestopften Springschreiber. Simple Elektronik machte ihn billig. Zudem war der als Bild digitalisierte Text für den damals enorm störanfälligen Funkbetrieb optimal. Selbst wenn es in der Atmosphäre knisterte, blieb der Text lesbar.

Daran war Fernschreibfunk bisher stets gescheitert. Der Kniff: Der Hellschreiber wandelte Signale immer gleich doppelt in gedruckte Buchstaben, sie erschienen stets in zwei identischen Zeilen übereinander auf dem Streifen.

Weltweit wurde der "Presse-Hell" zum Liebling der Nachrichtenagenturen. Er sparte im Vergleich zum Pressesprechfunk, der in den 1920er Jahren das stenografische Abtippen von vorgelesenen Nachrichten erforderte, die halbe Arbeitszeit. Er vermied teure Mietdrähte und erreichte über große Distanzen ausfallssicher viele Kunden in Redaktionen und Pressestellen. Das System überzeugte rund um die Welt bis in die 1980er Jahre.

Um 1934 muss der Hellschreiber in der AZ brandneu gewesen sein. Die gerade gegründete staatstreue Presseagentur Deutsches Nachrichtenbüro (DNB) setzte diese Technik bei ihren Zeitungskunden durch. Das DNB hatte in Nazi-Deutschland das Monopol als Nachrichtenagentur. Sie lieferte die „Tagesparolen“ von der Berliner Reichspressekonferenz und war eng verbunden mit den 45 Filialen des NS-Propagandaministeriums, die die Lokalpresse überwachten.

Nach dem Krieg ging im Herbst 1949 die Deutsche Presseagentur (dpa) an den Start, und sie verbreitete ihre Meldungen auch per Hellschreiber. Einer ihrer ersten Hellschreiber-Kunden war die AZ, die nach langer Pause im Herbst 1949 wieder erscheinen durfte. Das Foto aus der AZ-Redaktion von 1952 sieht fast genauso aus wie das von 1934.

Gern würden wir von Funkamateuren oder Technikliebhaber über den praktischen Umgang mit dem Hellschreiber mehr wissen. Vielleicht haben Sie auch Fotos oder eine Geschichte aus dem Leinebergland dazu. Wenn Sie einen Experten kennen, rufen Sie uns an unter 05181 800230 oder senden Sie uns eine E-Mail an redaktion@alfelder-zeitung.de.

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Zwitter aus Fax und Fernschreiber ermöglichte der AZ ab den 30er-Jahren den Zugang zu nicht-lokalen Neuigkeiten

Von Marco Althaus

Alfeld. Die AZ sucht Leser, die sich mit einem Hellschreiber auskennen oder sogar ein solches Gerät besitzen. Beim Stöbern in der eigenen Geschichte fanden wir diese Fotos von 1934 und 1952. Für die AZ sicherte dieses Gerät einst den Zugang zu nicht-lokalen Neuigkeiten von Agenturen und Korrespondentennetzen. Die AZ produzierte ihren eigenen überregionalen Nachrichtenteil, bis sie 1953 gemeinsam mit anderen Verlagen die „Redaktionsgemeinschaft deutscher Heimatzeitungen“ (RdH) gründete.

Ein Hellschreiber ist ein Pressefunkgerät, also ein Fernschreiber, der Rundfunktechnik nutzt. Offiziell hieß er Typenbildfernschreiber. 1927 patentiert, kam er um 1933 auf den Markt. Er war eine Alternative zu den verbreiteten Fernschreibermodellen für Springschreiber (C. Lorenz/Morkrum) und Telex (Siemens), die das Telefonnetz der Reichspost nutzten. Weil er deren hohe Telefongebühren vermied, war die Nutzung des Hellschreibers für Provinzzeitungen wie die AZ erschwinglicher.

Der Hellschreiber ist das Kind von TV-Pionier Rudolf Hell ("die ganze Konzeption entstand in einer halben Stunde, alles in der Nacht"). Das Gerät war eine Art Zwitter aus Fax und Fernschreiber. Es digitalisierte einen auf einer Tastatur getippten Text zur Bitmap, versandte Pixel per Funk-Einzelimpuls und gab am Ziel den Text auf Papierstreifen aus.

Hells Kasten war das Gegenteil der mit Getrieberädchen, Relais und Kuppelstangen vollgestopften Springschreiber. Simple Elektronik machte ihn billig. Zudem war der als Bild digitalisierte Text für den damals enorm störanfälligen Funkbetrieb optimal. Selbst wenn es in der Atmosphäre knisterte, blieb der Text lesbar.

Daran war Fernschreibfunk bisher stets gescheitert. Der Kniff: Der Hellschreiber wandelte Signale immer gleich doppelt in gedruckte Buchstaben, sie erschienen stets in zwei identischen Zeilen übereinander auf dem Streifen.

Weltweit wurde der "Presse-Hell" zum Liebling der Nachrichtenagenturen. Er sparte im Vergleich zum Pressesprechfunk, der in den 1920er Jahren das stenografische Abtippen von vorgelesenen Nachrichten erforderte, die halbe Arbeitszeit. Er vermied teure Mietdrähte und erreichte über große Distanzen ausfallssicher viele Kunden in Redaktionen und Pressestellen. Das System überzeugte rund um die Welt bis in die 1980er Jahre.

Um 1934 muss der Hellschreiber in der AZ brandneu gewesen sein. Die gerade gegründete staatstreue Presseagentur Deutsches Nachrichtenbüro (DNB) setzte diese Technik bei ihren Zeitungskunden durch. Das DNB hatte in Nazi-Deutschland das Monopol als Nachrichtenagentur. Sie lieferte die „Tagesparolen“ von der Berliner Reichspressekonferenz und war eng verbunden mit den 45 Filialen des NS-Propagandaministeriums, die die Lokalpresse überwachten.

Nach dem Krieg ging im Herbst 1949 die Deutsche Presseagentur (dpa) an den Start, und sie verbreitete ihre Meldungen auch per Hellschreiber. Einer ihrer ersten Hellschreiber-Kunden war die AZ, die nach langer Pause im Herbst 1949 wieder erscheinen durfte. Das Foto aus der AZ-Redaktion von 1952 sieht fast genauso aus wie das von 1934.

Gern würden wir von Funkamateuren oder Technikliebhaber über den praktischen Umgang mit dem Hellschreiber mehr wissen. Vielleicht haben Sie auch Fotos oder eine Geschichte aus dem Leinebergland dazu. Wenn Sie einen Experten kennen, rufen Sie uns an unter 05181 800230 oder senden Sie uns eine E-Mail an redaktion@alfelder-zeitung.de.

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